Reise zu den Polen Tag 2

Des einen Freud, des anderen leid.
Es War eine sehr ruhige Nacht, da auf dem  Campingplatz sehr wenig los War. Das fand auch die Chefin. Ich unterhielt mich ein wenig mit ihr über die Probleme durch den miesen Sommer (welcher Sommer? ).
Nachdem es letztes Jahr schon schlecht lief, werden sie dieses Jahr Probleme haben sich zu halten.
Ich plauderte dann noch eine Weile mit dem Ehepaar aus York welches im Wohnwagen neben mir campierte. Sie wollen eigentlich noch in den Spreewald. Aber ihr Reiseführer warnte ausdrücklich vor den Massen an Touristen dort. Sie aber suchen doch eher Ruhe.
Ich konnte Ihnen aber versichern, dass sie dieses Jahr keine angst haben müssten. Nach dem was ich gestern dort gesehen habe herrscht auch im Spreewald ziemliche Flaute.
Und gute Campingplätze gibt es auch. „Ob die den nicht sehr voll wären? „War die Frage der beiden. Ich konnte nur erwidern, sie sollen sich doch einfach mal nur hier umsehen. Das Argument zog.
Irgendwann nach elf kam auch ich dann vom Platz. Hatte ich schon erwähnt, ich habe es nicht eilig? !
Um es mal vorweg zu nehmen, das Wetter heute zeigte sich den ganzen Tag gnädig.
Viele Wolken, viel Wind, kühl, aber trocken. Immerhin.
Da ich es nicht eilig habe wollte ich heute spielen. Die tollen Conti TKC80 Stollenreifen und der neue Alu Motorschutz sollten sich amortisieren.
So suchte ich immer wieder Abkürzungen durch den Wald und über Feldwege. Das macht doch mal richtig Spaß. Selbst mit dem schweren Gepäck. Ab und zu drehte ich auch mal ein kleines Video mit der Helmkamera.  So verging die Zeit und irgendwann nahm ich dann doch mehr Straße um auch endlich mal nach Polen zu kommen.
Bei Gubin überquerte ich dann die Grenze und folgte meiner Route. Aber auch hier stach mich gewaltig der Hafer. Immer wieder zog es mich in den Wald wo ich reichlich sandige und auch schlammige Wege fand. Irgendwann stand ich dann vor einer richtigen Sandkuhle mit tiefen gruben und ganz lockerem Sand. Ein  (Trans)-(Alp) -Traum!
Obwohl ich gehörigen Bammel hatte, drehte ich eine Runde. Echt schwer. Vor allem wenn es runter in die Grube und dann wieder hoch ging. Die Reifen drehen meist durch und ich pflüge mich mehr durch den Sand als ich fahre. Jetzt wird mir auch so langsam richtig warm. Ich beschließe noch eine Runde mit Kamera zu drehen. Die klappt etwas schlechter und am Ende muss ich die Maschine sachte auf die rechte Seite legen. Ganz sanft. Aber es kostet eine irre Kraft sie im weichen Sand wieder hoch zu stemmen. Ich bin mehr als glücklich über meinen Einfall noch einen Tag vor Abfahrt ein großes Blech unter dem Seitenständer anschweißen zu lassen (einen Riesen Dank an Andreas von den Motormännern, der das noch schnell gemacht hat). So kann ich die Maschine direkt auf den Seitenständer kippen ohne dass sie einsinkt und umfällt.
Beim aufsteigen habe ich zu viel Schwung und ich kann den Bock wider nicht halten. Also das ganze nochmal. Mit einer 300 Kilo Maschine a’la GS 1200 möchte ich das gar nicht erst probieren. Die transalp mit den koffern etc. Ist schon schwer genug.
Dann geht es aber doch weiter. Nach einem Stück normalem Waldweg treffe ich wieder auf eine Sandpiste. Nicht so tief wie die letzte, aber doch sehr schwierig. Ich beschließe noch der Herausforderung zu stellen und da es auch in meiner geplanten Richtung liegt, fahre ich drauf los.
Das ist so richtig anstrengend aber macht auch einen Mords Spaß. So langsam bekomme ich auch ein Gefühl für den Sand und komme immer besser durch die tiefen gruben und Rinnen. Nicht immer allzu elegant, aber ohne Sturz. Dann Kämpfe ich mich noch durch ein Stück Morast (hier wird einem aber auch wirklich alles geboten). Als ich dann aber auf einen eher ruhigen weg komme, fällt mir auf, dass mein rechter Koffer ziemlich weit runter hängt. Der Träger ist komplett verbogen. Beim Versuch das ganze hoch zu biegen bricht eine Haltelasche an. Mist!
Da hilft wieder mal nur improvisieren. Mit zwei Gurten befestige ich den Träger am Handgriff für den Sozius. Das macht schon sehr viel aus und entlastet daß angebrochene Teil fast komplett. Zur Sicherheit verzurre ich noch beide Koffer mit zwei kräftigen Power Strap am Motorrad. Das sollte halten Bis ich in Katowice bin und dort einen Schweißer finde. Wirkt sogar noch fester als vorher. Als ich dann weiterfahre, fällt mir auf das der Lenker wild schlingert und das vorderrad immer hart aufstößt. Also 200m weiter der nächste stopp.
Na toll. Platten auf dem vorderrad.
Also gleich mal den kleinen Kompressor ausgepackt und das angeblich so tolle Reifendichtmittel von Elastofit.  Ventil raus, Gummi rein, Ventil rein, Kompressor ran, Luft rein.
Fertig!
Es klingt nicht nur so. Es ging tatsächlich so schnell. Ich bin begeistert!  🙂
Der Reifen ist dicht.
Also rauf auf dem Bock und vorsichtig raus aus dem Wald.
Ab jetzt nur noch Straße!
Die wird nun auch immer schöner. Nachdem die Gegend zunächst alles andere als einladend aussah, wird es nun immer schöner. Und die Sonne zeigt sich nun auch immer wieder mal.
Dafür finde ich keinen einzigen Campingplatz. Auch mein navi macht mir da keine Hoffnung. Die nächsten Plätze sind weit weg und fern meiner Route. Auch die Schilder mit der Aufschrift „Pokoje“, die auf ein freies Zimmer hinweisen, Sehe ich nirgends. In den Masuren und an der Ostsee waren die zu Hauf.
Und so fahre ich immer weiter. Viel weiter als ich vorhatte. Ein Hotel in Glogow sieht mir dann doch zu teuer aus. Eine Pension im nächsten Ort, die mir das navi nannte, existiert nicht (mehr? ).
Einige Kilometer weiter, direkt an der Landstraße finde ich dann das Gasthaus Bonanza. Einfach, aber gemütlich. Hier bekomme ich dann endlich ein einfaches aber ausreichendes Zimmer und auch ein tolles Abendbrot.
Und die Küche hält, was das Schild vor der Tür verspricht.  Hausgemachte Kost. Eine leckere Erbsen Suppe und richtig toll gebratene Schweineleber mit Bratkartoffeln und Zwiebeln. Hmmmmmmhhh… Und als Beilage einen Teller mit selbst gemachten Dillgurken. Dazu polnisches Bier. Was will man mehr? !
Und für das Frühstück verspricht mir die Wirtin das sie die besten Rühreier machen. Da bin ich ja mal gespannt.

Bilanz des Tages:
Übermut, tut selten gut.
Aber es macht unheimlich Spaß!
Und ich bin, wieder einmal mehr, begeistert darüber was mit meiner dicken Transe so geht.

Ca. 280 km
Eine gebrochene Koffer Halterung
Reifendichtmittel aufgebraucht
Einiges an Erfahrung beim fahren im Sand gesammelt

Etwas Frust, aber viel Spaß gehabt.

Die materiellen Schäden sind gering und lassen sich mit einem Schweißbrenner leicht beheben. Ich habe auch schon eine Idee wie ich die Halterung verbessern kann.

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