Transalp 2018 Tag 12 Dimaro – Tarrenz

Ein Tag voller kleiner Missgeschicke….

Erst mal fiel mir beim bepacken des Motorrads ein kleines Ding nach dem anderen runter so das ich ständig etwas aufzuheben hatte. Dabei fiel mir gar nicht auf, dass mich beim bücken etwas störte. Erst als ich aufsteigen wollte, merkte ich, dass ich noch den Zimmer Schlüssel nebst dickem Metallklotz in der Hosentasche hatte. Also das Ding an der Rezeption abgegeben…
Dann spann das Navi noch etwas herum. Aber irgendwann konnte ich dann doch los.
Nach etwa einer viertel Stunde landete dann ein ordentlicher Vogelsch…ß mitten auf dem Visier und somit genau im Sichtfeld. Hätte schlimmer kommen können. Bis kurz vorher hatte ich das Visier noch offen gehabt….
ich beschloss dann noch einmal „taktisch“ zu tanken. So das ich nicht so viel tanken muss und aber auf jeden Fall noch bis Österreich komme. Was soll ich sagen? 10,6 l für 18,60 €…. Kein Schnäppchen!! Aber das beste war, dass ich unfreiwillig die „Super Ingo!“ Werbung nachzuspielen. Ich schnappte mir erst mal den falschen „Rüssel“ und war erst irritiert, dass der nicht in den Tank passte. Zum Glück. Ich schlug mir erst mal mit der Hand gegen die Stirn (nicht wirklich, ich hatte ja den Helm auf so das auch dieses nicht klappte) und entschloss mich dann doch dazu Super statt Diesel zu tanken.

Nach dem Regen von Gestern waren die Straßen zum größten Teil gut bis sehr gut getrocknet. Trotzdem hies es immer wieder gut aufpassen da sich noch oft nasse Spots gehalten hatten. Also entspannt fahren und nichts überstürzen.
Als erstes ging es über den Passo di Ghavia (2621 m) . Ab ca. 2400 m merkte ich schon, dass meine Transe etwas Luftnot hatte. Sie nahm nicht so richtig Gas an und brauchte erst mal eine Gedenksekunde bis sie richtig beschleunigte. Dafür war die Aufffahrt und die Abfahrt ein echtes Erlebnis. Auf der Südseite sehr schmales Sträßchen mit teils dringendem Reparatur Bedarf aber grandiosen Ausblicken und engen Kehren. Oben ein herrlicher Ausblick und dann eine wundervoll geteerte und geschwungene Abfahrt in herrlicher Landschaft. Und das ganze mit sehr wenig Verkehr. Kurz vor dem Scheitel kam mir eine Kuh auf der Straße entgegengerannt, dicht gefolgt von zwei Motorrädern. Die Kuh ging dann aber doch zur Seite ab und ich war erst mal in Sicherheit.
Das war der schönste Pass des Tages.

Und dann der schlimmste… Stilfser Joch (2757 m).
Die Auffahrt von Norden ist relativ breit und gut fahrbar. Nur waren reichlich Fahrzeuge aller Größen unterwegs und ich hatte kaum Gelegenheit die Luftnot meiner Transe zu spüren da es sehr langsam vorwärts ging.
Der Schrecken kam dann  so richtig bei der Abfahrt. Diese ist eigentlich ein Genuß. Zumindest wenn es ruhig ist und wenig Fahrzeuge unterwegs sind. Ich bin das vor 6 Jahren schon mal im Aufstieg gefahren und hab es sehr genossen. Nur Heute war alles anders. Zahllose gnadenlos überforderte Fahrer auf 4 oder auch nur 2 Rädern versuchten ihr Vehikel den Berg hinauf bzw. hinab zu befördern. Es war grausam. Immer wieder musste ich vor Kehren anhalten weil der bergauf fahrende nicht in der Lage war auf seiner Seite zu bleiben. Von Wohnmobilen will ich gar nicht erst anfangen. Aber die Krönung des ganzen war „Shuttle Klaus“. Mit seinem Van fuhr er irgendwann vor mir bergab und stellte sich dabei überaus unfähig an. Obwohl er ein Kennzeichen aus dem Trentino hatte und somit von hier kam. So richtig gruselig wurde es dann als an einer Kurve ein Bus von unten kam. Klaus hatte nicht aufgepasst und war zu weit vor gefahren. Ich knappe 10 m hinter ihm. Er warf den Rückwärtsgang rein und furh los.
Ich habe ein Motorrad. Das hat keinen Rückwärtsgang! und 250 kg den steilen Berg hinauf auf Zehenspitzen zu drücken ist schlicht nicht möglich.
Zum Glück waren rechts einzelne Randsteine und zwischen denen Lücken und ein knapp 1 m breiter Grünstreifen. Ich konnte gerade noch ausweichen. Einziger Vorteil. Ich war nun vor Klaus und diesen somit los.
Trotzdem hätte ich Klaus am liebsten erst mal so richtig eine in die Fr…e gehauen. Der fährt Schulkinder!
Motorrad Fahrer die nicht um die Kurve kanmen. Einer von ihnen versuchte mit den Füßen unten Halt beim durchfahren der Linkskehre (diese ist viel einfacher da man wesentlich mehr Platz zum ausfahren hat) zu finden und dabei nicht begriff, dass er die Maschine erst Recht aus der Balance bringt. Wohnmobile die mehrfach vor- und zurücksetzen mussten um durch die Kehre zu kommen und, ja, auch PKW die es nur so schafften. Ich habe das ganze irgendwann überstanden und war im Tal.
Als nächster „Höhepunkt“ war das Timmelsjoch (2509 m) dran.
Auch hier war weder Jahrmarkt der Eitelkeiten angesagt. Wenn auch nicht ansatzweise so schlimm wie am Stilfser Joch. Auf jeden Fall waren auffällig viele Porsche unterwegs die auffällig oder eher nervig langsam fuhren. Man will ja schließlich auch gesehen werden…
Oben war es eisig kalt und es ging eine echt heftiger Wind so das ich auch hier auf eine Pause verzichtete.
Aber nun war ich endlich in Österreich und ich gönnte meiner Transe in Sölden mal so richtig guten 100 Oktan Sprit für immer noch 20 Cent weniger als der 95er in Italien kostet.

Und dann holte mich wieder das Pech ein.
Ich hatte mich in Trattens in einem Gasthof eingemietet. Aber als ich da ankam hing erst mal ein „Ruhetag“ Schild. Also wieder nach einer Nahrungsquelle suchen… Der nächste geöffnete Gasthof war einen Kilometer Fußmarsch entfernt. Nachdem ich aber mein wirklich gemütliches Zimmer mit Bergblick vom Balkon aus gesehen hatte, beschloß ich aus der Not eine Tugend zu machen und kaufte im Supermarkt alles für eine zünftige Brotzeit ein.
Nun sitze ich gemütlich auf dem Balkon und lasse es mir so richtig gut gehen,

 

Track 19092018